Was ist Gandusha? Wie funktioniert das Öl ziehen?

Das Entgiften und Pflegen durch eine Mundspülung mit Öl

Gandusha, das Öl ziehen im Mundraum, ist ein Teil der Morgenroutine im Ayurveda. Gereiftes Sesamöl wird im Ayurveda traditionell für das Ölziehen verwendet.
Was ist gereiftes Sesamöl?
„Gereift“ nennt man Sesamöl, wenn es zuvor auf 110 Grad erhitzt und dann wieder auf Zimmertemperatur abgekühlt worden ist. Durch dieses Verfahren kann es besser in die menschliche Haut bzw. Schleimhaut eindringen und Bakterien sowie Schlackenstoffe, die durch den natürlichen Stoffwechselprozess entstanden sind, an sich binden.

Wofür ist Gandusha hilfreich?

Gandusha ist eine überlieferte Mundspülung mit Öl und Teil der ayurvedischen Morgenroutine.
Das Ölziehen ist ein traditionelles Ritual der Mundpflege, das viele als angenehm empfinden. Ein Ersatz für Zahnpflege und Zahnarztbesuch ist es nicht.

Wie funktioniert Gandusha?

Zunächst einmal schabst du morgens, am besten direkt nach dem Aufstehen die Zunge mit einem Löffel oder Zungenschaber und spülst danach den Mund mit warmem Wasser aus. Anschließend nimmst du einen Esslöffel gereiftes Sesamöl in den Mund, bewegst es leicht für ca. 5-20 Minuten hin und her und ziehst es durch die Zahnzwischenräume bis das Öl weißlich bzw. schaumig ist. Schlucke das Öl nicht runter, sondern spucke das Öl-Speichel-Gemisch in ein Papiertuch und entsorgen dies im Hausmüll. Jetzt spüle deinen Mund mehrmals mit warmem Wasser aus und putze anschließend gründlich deine Zähne.
Mittlerweile vertrauen auch viele Zahnärzte dieser Methode.
Probiere es aus!

Wie sieht die klassische Morgenroutine im Ayurveda aus?

Unser Wohlbefinden hängt von den ständigen Bewegungen der Zyklen wie Tagesrhythmus, Jahreszeiten, hormoneller Zyklus, Mond- und Lebensphasen ab. Je besser ein Mensch sich selbst, seine Konstitution und seine Bedürfnisse kennt, umso besser kann er auf die verschiedenen Zyklen des Lebens einwirken und in Harmonie mit der Natur leben.

Das ayurvedische Fitnessprogramm

Die ayurvedische Morgenroutine reinigt den Körper und erfrischt den Geist. Das morgendliche Ritual beschreibt ein umfassendes Reinigungsprogramm. Durch wirkungsvolle Maßnahmen wie Zungenscharben, Öl ziehen, Körperölungen und Yoga werden alle Sinnesorgane geöffnet und sensibilisiert. Das Verdauungsfeuer wird angeregt, die Ausscheidungen werden gefördert, der Geist wird geklärt und gestärkt. Somit ist die ayurvedische Morgenroutine ein direkt spürbares Fitnessprogramm, das einen dynamischen und gesunden Start in den Tag ermöglicht.

Der frühe Morgen

Optimal für unsere Lebenskultur ist es, am Morgen gegen 6.00 Uhr aufzustehen, denn nun ist Vata Dosha noch aktiv. Der Körper beginnt mit seiner natürlichen Ausscheidungsphase, ist noch leicht, beweglich und aktiv. Die frühen Morgenstunden eignen sich besonders gut für spirituelle Übungen, Meditation und das umfassende Programm der ayurvedischen Morgenroutine.

Anleitung für die klassische Morgenroutine

1. Frühes Aufstehen – Die Zeit vor Sonnenaufgang ist voller Harmonie und Energie, daher empfiehlt Ayurveda, frühmorgens vor Sonnenaufgang aufzustehen.
2. Ein bis zwei Gläser lauwarmes Wasser nach dem Aufstehen gehören zur ayurvedischen Morgenroutine.
3. Allgemeine Reinigungsmaßnahmen – Reinigung von Mund und Zähnen nach dem Absetzen von Stuhl und Urin.
4. Das Einbehalten von Sesamöl oder Ghee im Mund gehört ebenfalls zur überlieferten Morgenroutine des Ayurveda.
5. Nasya und Jala Neti sind überlieferte Reinigungsrituale im Ayurveda.
6. Abhyanga ist eine tägliche Ganzkörper-Ölmassage die in der Morgenrutine empfohlen wird.
7. Yoga – Ayurveda empfiehlt Körperübungen – entsprechend der Körperstärke. Sie fördert das Wachstum des Körpers, bietet Stabilität und Leichtigkeit und steigert die Toleranz gegenüber Ermüdung. Körperübungen stärken ebenfalls die Muskelfasern.
8. Udvartana – Trockene Massage mit verschiedenen Pflanzenpulver oder Kichererbsen Mehl, um überschüssiges Öl von der Körperoberfläche zu entfernen. Sie verbessert außerdem die Durchblutung der Haut, fördert Glanz und Farbe der Haut.
9. Snana – Ein Bad (oder Dusche) wird zuletzt durchgeführt, um den Körper zu reinigen. Nach den vorherigen Prozeduren ist die Verwendung von Seife nicht mehr nötig. Falls jedoch als notwendig erachtet, kann eine milde Seife verwendet werden.
Weitere wichtige Aspekte der ayurvedischen Gesundheitslehre sind das Nicht – Unterdrücken der natürlichen Körperdränge (Reflexe) sowie das Unterlassen von exzessiven Aktivitäten und bösen Taten.
Die natürlichen Körperdränge wie Luftablassen, Niesen, Gähnen, Urinieren etc. dienen als wichtige Reinigungsmaßnahmen eines gesunden Organismus.

Die Dosha Phasen des Alltags

06.00 bis 10.00 Uhr——— Kapha———— Ausscheidung/Stabilität
10.00 bis 14.00 Uhr——– -Pitta—————Verdauung/Nahrungsaufnahme
14.00 bis 18.00 Uhr———-Vata—————Kreativität/ Beweglichkeit
18.00 bis 22.00 Uhr———-Kapha————-Ruhepause/ Regeneration
22.00 bis 02.00 Uhr —- —–Pitta ————- Gewebsaufbau/ Energiegewinnung
02.00 bis 06.00 Uhr———–Vata————- Geistige Klärung/ Energieverteilung

Welches Dosha ist dominant zu den Jahreszeiten und im Verlauf unseres Lebens?

Die Jahreszeiten – Routine

Früher Winter vom 22.10 bis 21.12

In dieser Zeit ist Agni sehr stark, denn es wird durch den Kontakt mit kaltem Wind von außen angefacht. Daher kannst du auch schwere Nahrung in größeren Mengen verdauen.
Vata – erhöhende Nahrungsmittel und Getränke, starker Wind sowie kalte Nahrungsmittel und Getränke solltest du in dieser Zeit vermeiden.

Später Winter vom 22.12 bis 21.02

Es gelten dieselben Empfehlungen wie beim frühen Winter.

Frühling vom 22.02 bis 21.04

Die beste Zeit, um das über die Wintermonate akkumulierte Kapha auszuleiten. Um diesen Reinigungsprozess zu unterstützen, sind alle Kapha- reduzierenden Ernährungsregeln empfehlenswert. Es ist die beste Zeit für deine Ayurveda Entschlackungskur.

Der frühe und der späte Sommer 22.04 bis 21.06, 22.06 bis 21.08

So wie die Sonne der Natur Feuchtigkeit entzieht reagiert auch unsere innere Körperfunktion, unsere Verdauung ist schwach. Wir haben zwar ein hohes Pitta, doch nur wenig Agni zur Verfügung.
Empfohlene Nahrungsmittel im Sommer: Alle Arten von Beeren, Ananas, Aprikosen, Melonen, Trauben und andere saftige Obstarten. Gurken, Joghurt und Minze helfen den Körper sich zu kühlen.

Der Herbst 22.08 bis 21.10

Nun ist unser Pitta sehr stark, wir haben viel innere Hitze angesammelt und sind anfällig für Pitta Störungen. Daher sind süße, leichte, kalte und bittere Nahrungsmittel und Getränke zusammen mit Reis, Gerste, Weizen und Ghee empfehlenswert.

Oberstes Prinzip, nach dem du dich richten sollten:

Sei am wachsamsten in der Jahreszeit, die deinem Konstitutionstyp entspricht:
der Kapha – Typ im Frühling
der Pitta – Typ im Sommer und früher Herbst
der Vata – Typ im späten Herbst und Winter

Lebensphasen eines Menschen/ Dosha – Dominanz im Verlauf des Lebens

Kindheit 0 bis 12 Jahre Kapha
Jugend 12 bis 16 Jahre Kapha/ Pitta steigt an
Junge Erwachsene 20 bis 40 Jahre Pitta
Erwachsener 40 bis 50 Jahre Pitta/ Vata steigt an
Erwachsener 50 bis 60 Jahre Vata/ Pitta
Ab 60 Jahre Vata

Wie sieht nach dem Ayurveda ein gesunder Tagesablauf aus?

Jeder der drei Doshas (Vata, Pitta, Kapha) kommt im 24 Stunden Rhythmus zweimal vor, so gibt es insgesamt zwei Zyklen (Tag und Nacht).

Kapha Zeit am Morgen

Vormittags zwischen 6.00 und 10.00 Uhr ist Kapha Zeit (Aufbauphase). Diese Zeit eignet sich besonders für Aufgaben, die viel Struktur und Geduld erfordern.

Pitta Zeit am Mittag

In der Zeit zwischen 10.00 und 14.00 Uhr ist die Energie des Pittas sehr präsent, die ideale Zeit, um unsere Hauptmahlzeit einzunehmen.

Vata Zeit am Nachmittag

Von 14.00 bis 18.00 Uhr ist Vata aktiv, Vata steht für Kreativität, Kommunikation und Aktivität. Aber manchmal sind wir speziell in dieser Zeitspanne auch sehr müde, was meist mit einem zu gehaltvollem Mittagsessen in Verbindung steht.

Kapha Zeit am Abend

Zwischen 18.00 und 22.00 Uhr ist unser Kapha wieder präsent, dies zeigt sich in einer gewissen Trägheit, Müdigkeit vom Tag. Idealerweise wird das Abendessen in der Zeit zwischen 18.00 und 19.00 Uhr eingenommen.

Pitta Zeit in der Nacht

Ab 22.00 bis 2.00 Uhr ist Pitta Zeit. Die ideale Zeit zum Schlafen, denn Pitta hält unseren Körper warm. Zubettgehzeit ist zwischen 21.30 und 22.00 Uhr.

Vata Zeit am frühen Morgen

Ab 2.00 Uhr schenkt uns Vata lebhafte Träume. Nach dem Ayurveda ist die ideale Zeit zum Aufstehen vor 6.00 Uhr morgens also bevor wieder die Kapha Zeit beginnt.

Welches Dosha bestimmt den zeitlichen Tagesrhythmus?

Der Ayurveda lebt im Einklang mit der Natur, alles ist mit allem verbunden. So finden wir auch eine Empfehlung wie wir unseren Tag am besten gestalten.

Die Rhythmen des Tages

Erster Zyklus Dosha
06.00 bis 10.00 Uhr Kapha ———– Aufbauphase
10.00 bis 14.00 Uhr Pitta————– Hauptmahlzeit
14.00 bis 18.00 Uhr Vata ————–kreativ/kommunikativ

Zweiter Zyklus Dosha
18.00 bis 22.00 Uhr Kapha- macht abends träge/müde
22.00 bis 02.00 Uhr Pitta—-hält den Körper warm (Schlaf)
02.00 bis 06.00 Uhr Vata—-lebhafte Träume

Aufstehen: zwischen 06.00 und 8.00 Uhr oder sogar früher
Mittagessen: zwischen 12.00 und 13.00 Uhr
Abendessen: zwischen 18.00 und 19.00 Uhr
Zubettgehen: zwischen 21.30 Uhr bis 22.00 Uhr

Was sind die 10 wichtigsten Grundregeln in der ayurvedischen Ernährung?

Die 10 wichtigsten Grundregeln

1. Die richtige Menge
Esse in Maßen, denn sowohl zu viel als auch zu wenig Nahrung führt zu Störungen. Dazu viertel das Fassungsvermögen deines Magens in deiner Vorstellung: Zwei Teile sind für feste und ein Teil für flüssige Nahrung (wie Getränke oder Suppen), der vierte Teil sollte frei bleiben, damit die Verdauungsfunktion nicht gestört werden.

2. Zu den Mahlzeiten nicht trinken
Um das Verdauungsfeuer nicht zu löschen, sollte man eine bis anderthalb Stunden vor und nach dem Essen nichts trinken. Zum Essen hat sich das schluckweise Trinken von einem Glas heißem Wasser jedoch als verdauungsfördernd erwiesen. Ausnahmen vor dem Essen bilden auch verdauungsanregende Tees. Für die allgemeine Flüssigkeitsaufnahme sind warmes Leitungs- oder stilles Mineralwasser und Kräutertees am besten geeignet.

3. Hochwertige Nahrungsmittel essen

Deine Nahrung sollte stets rein sein, d.h. hochwertig, frisch und mit Liebe zubereitet. Die beste Qualität bieten Eigenanbau und Bioläden, da hier die Produkte so wenig wie möglich mit Düngermittel, Insektiziden, Konservierungsmittel und Schadstoffen belastet sind. Zudem sollte man Nahrung aus der näheren Umgebung und Güter der Saison bevorzugen.

4. Gekochte und selbst zubereitete Mahlzeiten bevorzugen
Koche möglichst selbst und essen warme Mahlzeiten. Warme Speisen regen die Verdauung und den Stoffwechsel an. Selbst Schwerverdauliches kann so besser aufgespalten und verwertet werden. Mindestens sollten die Hauptmahlzeiten (Mittag- und Abendessen) warm zubereitet sein.

5. Individualität in Nahrung und Zubereitung
Bedenke bei der Wahl der Nahrungsmittel deine persönliche Vorliebe und Verträglichkeit, d.h. deine Konstitution (Prakriti) sowie deine gegenwärtige Gesundheitsstörung (Vikriti).

6. In Ruhe essen und gut kauen
Esse in Ruhe, jedoch nicht zu langsam. Kaue die Nahrung gut durch und widme dem Genuss beim Essen die volle Aufmerksamkeit. Dadurch nimmst du dem Magen und Darm eine Menge Arbeit ab.

7. In angenehmer Atmosphäre essen
Esse an einem geeigneten Ort, der mit Dingen versehen ist, die dein Wohlbefinden hervorrufen. Die psychische Komponente ist bei der Nahrungsaufnahme sehr wichtig. Genieße das Essen und widme ihm die volle Aufmerksamkeit. Wenn du viel redest, nebenbei dich dem Lesen widmest oder fernsiehst, kannst du die Speise nicht genießen, dies beeinträchtigen die Verdauung und auf lange Sicht deine Gesundheit.

8. Regelmäßig Essen und Zwischenmahlzeiten vermeiden
Esse regelmäßig und vermeide unkontrollierte Zwischenmahlzeiten. Am besten ist es, erst wieder zu essen, wenn die vorangegangene Mahlzeit verdaut ist. Nur so werden die Verdauungs- und Stoffwechsel Prozesse nicht belastet. Deswegen sollten viele Mahlzeiten und häufige Snacks vermieden werden. Drei Mahlzeiten sind die Regel. Die Nahrung, die du morgens und mittags zu dir nimmst, sollten am Abend verdaut sein sowie das Abendessen am nächsten Morgen.
Morgens haben wir eine träge Verdauungsfunktion: kleines und leichtes Frühstück
Mittags ist die Verdauungskraft am stärksten: Hauptmahlzeit
Abends ca. drei Stunden vor dem Schlafengehen esse eine leichte, warme Mahlzeit
Auf keinen Fall abends Nahrungsmittel zu dir nehmen, die die Transportfunktion (Srotas) beeinträchtigen wie z.B. Käse, Joghurt und säuerliche Speisen.

9. Auf den ausgewogenen Geschmack achten
Im Ayurveda gilt eine Mahlzeit als ausgewogen, wenn sie alle 6 Geschmacksrichtungen enthält. Idealerweise nimmt man diese in folgender Reihenfolge zu sich: süß, sauer, salzig, scharf, bitter, herb. Dies entspräche den Phasen der Verdauung. Das Kochen mit Ghee (Butterfett) intensiviert den Geschmack und fördert die Verdauung.

10. Auf die richtigen Kombinationen achten
Die lange Erfahrung des Ayurveda hat gezeigt, dass gewisse Nahrungsmittel nicht kombiniert werden sollten. Im Ayurveda werden diese „falschen Kombinationen“ immer wieder als Ursachen verschiedenster Erkrankungen angesehen. Nach ayurvedischer Lehre gelten solche Kombinationen als schwer verdaulich.
Milch niemals gemeinsam (also zur gleichen Mahlzeit) mit saurem und salzigem, Fleisch, Fisch, Knoblauch, Rettich, Granatäpfeln, Blattgemüse, Senf, Sesamsamen, Basilikum oder Bananen einnehmen.
Milchfreundlich sind hingegen: Mango, Weintrauben, Honig, Ghee, Butter, Ingwer, Pfeffer, Zucker, Reisflocken, Gerste und die Amla-Frucht.
Der Ayurveda rät von bestimmten Lebensmittelkombinationen ab. Fisch nicht mit Banane, Milch, Joghurt und Buttermilch kombinieren.
Frische Früchte am besten nicht mit gekochten Speisen kombinieren. Saure Früchte nicht mit Joghurt oder Käse zusammen essen.