Welche Ernährungsempfehlungen gelten bei einem Vata-, Pitta-, Kapha-Ungleichgewicht?

Vata

Vata besteht aus den Elementen Luft und Äther/Raum: trocken, kalt, leicht.
Die dementsprechende Geschmacksrichtung ist: scharf, bitter, zusammenziehend.
Empfehlenswerter Geschmack, Vata senkend: süß, salzig, leicht sauer.
Empfehlenswerte Eigenschaften der Nahrungsmittel: leicht, warm, weich, feucht, beruhigend, d.h.:
• Nährende, warme und gekochte Speisen bevorzugen
• Zuviel Rohkost, bittere Gemüse und trockene Nahrungsmittel meiden

Pitta

Pitta besteht aus den Elementen Feuer und einem kleinen Anteil Wasser: heiß, feucht, schwer.
Die entsprechende Geschmacksrichtung ist: sauer, salzig, scharf.
Empfehlenswerter Geschmack, Pitta senkend: süß, bitter, zusammenziehend
Empfehlenswerte Eigenschaften der Lebensmittel: kühl, mild, weniger gekocht, schwer, d.h.:
• Wurzel- und Blattgemüse, Salat und Rohkost bevorzugen
• Zitrusfrüchte, Tomaten, Milchprodukte, Fleisch und Alkohol meiden

Kapha

Kapha besteht aus den Elementen Erde und Wasser: feucht, kalt, schwer.
Die entsprechende Geschmacksrichtung ist: süß, sauer, salzig
Empfehlenswerte Geschmack, Kapha senkend: scharf, bitter, zusammenziehend
Empfehlenswerter Eigenschaften der Lebensmittel: kühl, mild, weniger gekocht, schwer, d.h.:
• Scharf gewürzte, leichte und gekochte Nahrung bevorzugen
• Fettiges, süßes und salziges Essen meiden

Die sechs Rasas (Geschmacksrichtungen)

Süß – beruhigt, nährt, regeneriert, schenkt Liebe
Sauer – befeuchtet, belebt
Salzig – gibt Struktur und Stabilität, Nervennahrung
Scharf – anregend, belebend entfacht das Lebensfeuer
Bitter – schenkt Leichtigkeit und Klarheit, verbrennt Ama
Zusammenziehend – öffnet den Geist, stärkt die Heilkraft

Was ist die Grundlage der ayurvedischen Ernährung?

Gemäß der Ayurveda-Lehre verfügt jeder Mensch über eine einzigartige Konstitution, die seinen körperlichen, geistigen und seelischen Zustand bestimmt.

Gleichgewicht der Doshas

Gesundheit entsteht aus dem Gleichgewicht der grob- und feinstofflichen Kräfte – den sogenannten Doshas – die unsere Konstitution prägen. In der ayurvedischen Gesundheits- und Ernährungslehre dreht sich alles um die drei Doshas Vata, Pitta und Kapha.
Das grundlegende Prinzip der konstitutionsgerechten Ayurveda- Ernährung beruht auf dem Ausgleich der übermäßigen Eigenschaften: Jedes Dosha manifestiert sich im Organismus durch Eigenschaften wie leicht, schwer, kalt, warm, trocken oder feucht (= den Eigenschaften der Elemente). Ein Ungleichgewicht oder Störung entsteht immer durch übermäßige Ausprägung dieser Qualitäten, die mit der richtigen Ernährung auf einfache Weise ausgeglichen werden können.

Ungleichgewicht Vata

Ein Überschuss an Vata (Luft und Äther/Raum = trocken, kalt, leicht) führt beispielsweise zu viel Trockenheit und Kälte und kann symptomatischen Störungen wie Nervosität, Blähungen, Immunschwäche oder Beschwerden des Bewegungsapparats verursachen.
Warme gekochte und feuchte Nahrungsmittel – wie sämig gekochte Suppen, Reisgerichte oder süße Früchte – sollten zum Vata-Ausgleich bevorzugt werden.

Ungleichgewicht Pitta

Ist das Pitta (Element Feuer und kleiner Anteil Wasser = feucht, heiß, schwer) in Ungleichgewicht geraten, so sammeln sich Hitze und Säure im Körper an. Pitta steht im Ayurveda für Hitze und Schärfe; ein Überschuss zeigt sich nach dieser Lehre in Unruhe und Gereiztheit.
Süße und bittere Speisen wie Wurzelgemüse und Salat sowie Kurkuma, Kardamom und Koriander gelten im Ayurveda als Pitta-ausgleichend.

Ungleichgewicht Kapha

Eine Kapha-Störung (Element Erde und Wasser = feucht, kalt schwer) ist mit zu viel Schwere, Kälte und Verschleimung verbunden. Kapha steht im Ayurveda für Schwere, Ruhe und Beständigkeit.
Scharfe Gewürze wie Ingwer, Pfeffer, Chili oder Senfsamen gelten im Ayurveda als Kapha-ausgleichend. Ebenso der Genuss von leichten und bitteren Speisen wie Hülsenfrüchten und Blattgemüsen.

Was ist Ghee?

Wie wird es zubereitet?
Was ist das Besondere an Ghee?

Ghee ist ein reines Butterfett ohne Eiweißanteile und lässt sich hoch erhitzen. Ghee ist ein geklärtes Butterfett, das in der ayurvedischen Küche geschätzt wird und sich hoch erhitzen lässt. Ghee wird in der ayurvedischen Küche als Trägersubstanz für Gewürze geschätzt. Ghee macht Speisen bekömmlicher, intensiviert ihren Geschmack und bewahrt beim Dünsten die Vitamine der Nahrungsmittel. Ghee sollte aus Sauerrahmbutter hergestellt werden, denn diese wird noch mit Bakterienkulturen geimpft, die eine natürliche Milchsäure produzieren, während die mildgesäuerte Butter mit chemisch hergestellter Milchsäure versetzt wird.

Herstellen von Ghee:

500 g frische ungesalzene Sauerrahmbutter bei kleiner Hitze schmelzen lassen. Die Kochzeit für 500 g Butter liegt zwischen 20 – 30 Minuten. Das, während dem Kochen entstehende Geräusch zeigt an, dass das Wasser noch nicht verdampft ist. Die Butter so lange köcheln lassen, bis kein Geräusch mehr zu hören und das Wasser vollkommen verdampft ist. Dann sofort vom Herd nehmen, damit es nicht anbrennt. Durch ein sauberes Leinen- oder Baumwolltuch seihen, in ein sauberes Glas füllen, sofort verschließen und an einem kühlen Platz aufbewahre, nur nicht im Kühlschrank. Ghee ist sehr lange (über Monate) haltbar.

Was ist Agni? Wie entsteht Ama?

Agni das thermische Prinzip

Neben den Doshas stellt Agni ein weiteres zentrales Konzept des Ayurveda dar. Agni ist ein thermisches Prinzip, das die Umwandlung von Nahrung in Körpergewebe vornimmt. Agni wird somit vom Feuerelement dominiert. Es ist verantwortlich für die Verdauung aller Arten von Nahrung und kontrolliert die anderen Agni, die bestimmte Sonderaufgaben wie die Erhaltung der Körperwärme und die Versorgung der einzelnen Körperteile im Stoffwechsel zu erfüllen haben. Ein zu schwacher Agni erzeugt Ama.

Die Eigenschaften von Ama

Ama heißt wörtlich nicht gekocht, nicht genügend verarbeitet. Bei Ama handelt es sich um eine unreife Stoffwechselzwischenstufe, die vom Organismus nicht verwendet werden können und die Störungen oder Krankheiten verursachen. Ama wird als sehr „klebrig“ bzw. bindungsfreudig beschrieben. Indem es sich mit Körperkomponenten (Doshas = individuelle Konstitution, Dhatus = Körpergewebe, Srotas = Transportkanäle für Körpersäfte, Malas = Abfallprodukte) verbindet, stört Ama dessen physiologische Funktionen.

Die Ausleitung von Ama

Bei der Therapie einer Erkrankung, an der Ama beteiligt ist, steht die Reinigung an oberster Stelle. Dies geschieht einerseits über die Anregung von Agni und anderseits über die Ausscheidung von Ama, wobei die Entschlackungsmaßnahmen immer von den mitgestörten Doshas abhängig sind. Alle ayurvedischen Therapiekonzepte, gesundheitsfördernden Maßnahmen, zielen darauf ab den Menschen wieder in seiner individuellen Natur (Prakriti) zu stärken, und seine Störung (Vikriti) zu beseitigen.

Empfehlungen zum Ausgleich von Agni

Mit den folgenden einfachen Empfehlungen kannst du ein gestörtes Agni wieder ins Gleichgewicht bringen:

1. Verzehre kleine, leichte und warme Mahlzeiten zu regelmäßigen Zeiten.
2. Verwende Ghee für die Zubereitung deiner Mahlzeiten. Ghee wirkt Agni-stimulierend.
3. Vermeide Zwischenmahlzeiten sowie häufiges Essen.
4. Verwende verdauungsanregende und regulierende Gewürze zum Kochen. Röste diese in Ghee zu einem Gewürzsud etwas an.
5. Kaue deine Nahrung gründlich, um gut einzuspeicheln. So erleichterst du Agni die Arbeit.
6. Trinke über den ganzen Tag verteilt schluckweise warmen Ingwertee.
7. Faste kurzzeitig gemäß deiner Konstitution und körperlichen Verfassung.
8. Unternimm Spaziergänge und genieße die frische Luft.
9. Führe regelmäßig Yoga- und Atemübungen durch.

Was sind die Eigenschaften von Kapha?

Kapha das Struktur Prinzip

Kapha repräsentiert das wässrige Prinzip im menschlichen Organismus und ist für Synthese bzw. Vereinigung verantwortlich. Es wird von den Elementen Wasser und Erde dominiert.
Die Eigenschaften von Kapha sind schwer, ölig, kalt, weich, süß, stabil und schleimig. Kapha wirkt im ganzen Körper, sein Hauptsitz ist jedoch der Brustkorb mit Herz und Lungen.

Wichtige Funktionen von Kapha sind:

Körperkraft und Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten, Aufbaustoffwechsel, Potenz, Stabilität, Ölen/Fetten (der Körpergewebe), Schmieren, Nähren, Toleranz, Zufriedenheit, Geduld.

Kapha der Fels in der Brandung

Menschen, bei denen das wässrig-erdige Element vorherrscht, sind ruhige, beständige und ausgeglichene Zeitgenossen. Das Kapha- Dosha gerät nicht so leicht aus dem Gleichgewicht, so dass der allgemeine Gesundheitszustand in der Regel gut ist. Kapha bietet strukturelle Kompaktheit, Stabilität und Langsamkeit. Es erzeugt außerdem Sicherheit, Zufriedenheit und Toleranz.

Menschen mit einem hohen Kapha- Anteil sind korpulent, proportioniert und attraktiv. Ihre Konturen sind rundlich und sie haben die Neigung, Körpergewicht aufzubauen. Kapha-Konstitutionen sind körperlich stark und besitzen eine gute Widerstandsfähigkeit gegen Krankheiten. Ihre Stimme ist tief und resonant, die Sprechweise langsam, zusammenhängend und bestimmt. Kapha-Menschen sind sehr intelligent und besitzen ein hervorragendes Gedächtnis. Sie zeichnen sich durch Zuverlässigkeit und Entschlossenheit
aus und beenden einmal begonnene Projekte sicher. Auch in ihren zwischenmenschlichen Beziehungen sind sie sehr beständig. Kapha-Menschen besitzen Ruhe, Ernsthaftigkeit und emotionale Stabilität. Sie lieben die Routine und wahren die Traditionen und Rituale in ihrem Leben, das sich durch Gleichmäßigkeit und Regelmäßigkeit auszeichnet.

Die Haupteigenschaften von Kapha

Hierzu zählen:
– Stabiler, schwerer Körperbau
– Tendenz zu glatter, öliger Haut
– Kräftiges, eher dunkles Haar
– Geringes Hungergefühl, langsame Verdauung
– Regelmäßiger Stuhlgang
– Langer, tiefer Schlaf
– Abneigung gegen Nebelwetter
– Intelligenz und gutes Gedächtnis
– Langsame, methodische Aktivität
– Ist nur langsam reiz- und erregbar
– Ruhige, ausgeglichene Persönlichkeit, Familienmensch

Kapha in Harmonie

Um Kapha auszugleichen, sollte mit den entgegengesetzten Qualitäten in Nahrung und Aktivitäten (z.B. Leichtigkeit, Trockenheit, Rauheit, Hitze, Nicht-Schleimigkeit und Beweglichkeit) gearbeitet werden. Gleichzeitig sollten scharfe, bittere und zusammenziehende Nahrungsmittel mit heißen und penetrierenden Qualitäten und anregenden Gewürzen bevorzugt werden, um Kapha zu reduzieren. Für Kapha-Menschen ist vor allem genügend körperliche Aktivität notwendig, um wieder in Schwung zu kommen. Besonders leicht fällt es Menschen mit einer Kapha Konstitution, wenn die Bewegung noch einen praktischen Nutzen mit sich bringt. Hier bieten sich Gartenarbeit, Pilze oder Wildkräuter sammeln oder mit dem Hund spazieren gehen an.
Auf geistiger Ebene ist es für Kapha sehr anregend, mit anderen Menschen etwas zu unternehmen. Der Genuss von warmen mit leichter Schärfe gewürzten Speisen ist eine hervorragende Anregung für seinen Stoffwechsel und die Verdauungskraft. Besonders empfehlenswert sind bittere Gemüse (wie z.B. Chicorée, Spinat, Mangold, Artischocken) mit den verdauungsfördernden Gewürzen Kreuzkümmel, Pfeffer, Chili, Meerrettich, Kurkuma, Ingwer
und Senfsamen.

Was sind die Eigenschaften von Pitta?

Pitta das thermische Prinzip

Pitta ist das thermische Prinzip des menschlichen Organismus und verantwortlich für Aktivitäten, die mit Hitze und Energie zu tun haben. Es wird vom Feuerelement und einen kleinen Anteil Wasser dominiert.
Pittas Eigenschaften sind etwas ölig, heiß, penetrierend, sauer, flüssig, beweglich wie eine Flüssigkeit und scharf.
Pitta wirkt im ganzen Körper, sein Hauptsitz ist jedoch der Bereich des Dünndarms.

Wichtige Funktionen von Pitta sind:

Verdauung, Abbaustoffwechsel, Sehvermögen, Wärme, Energiezeugung, Erhaltung der normalen Hautfärbung, Tapferkeit, Ärger, Intelligenz, Hunger, Durst.

Pitta das Umsetzungsprinzip

Pitta repräsentiert das Umsetzungsprinzip im menschlichen Organismus. Bist du ein Mensch mit viel Pitta, so ist dies vor allem in deiner ausgeprägten Führungspersönlichkeit zu spüren. Pitta schafft Lust am Arbeiten, Bestimmen und Bewegen. Eine innere Kraft, Wissen und Motivation erfüllt dich, lässt Hindernisse klein werden und dich Unangenehmes bewältigen.
Pitta Menschen sind sehr ehrgeizig und wollen immer perfekt sein. Sie bringen einen sehr hohen Erfolgs Anspruch mit sich, aber auch die Fähigkeit das gewünschte Ziel zu erreichen. Pitta-Menschen verlieren ihr Ziel niemals aus den Augen und werden durch Stress und Anforderungen nur noch schneller, effizienter und genauer. Aufgrund ihrer Furchtlosigkeit und kämpferischen Neigung sind sie nur schwer zu besiegen.

Leider ist die Pitta Kraft nicht immer leicht zu zügeln, sie besitzt ein feuriges Temperament. Oft schießt sie über ihr Ziel hinaus dies äußert sich in Aggressionen, cholerischen Anfällen und Fanatismus. Pitta Menschen sind schnell verärgert, beruhigen sich aber auch schnell wieder.

Die Haupteigenschaften von Pitta

Hierzu zählen:
– Mittlerer Körperbau
– Feuchte, warme Haut mit einem rötlichen Teint
– Neigung zu roten Haaren, Sommersprossen und Muttermalen
– Frühzeitiges Ergrauen und Faltenbildung
– Großer Hunger, gute Verdauungsfähigkeit
– Bevorzugt kaltes Essen und kalte Getränke
– Lässt Mahlzeiten nur ungern ausfallen
– Abneigung gegen heißes Wetter
– Guter Redner, scharfer Intellekt
– Schnell erregt oder gereizt, Sturheit
– Übernimmt gerne Verantwortung (Führungsposition)

Pitta in Harmonie

Um Pitta auszugleichen, sollte mit den entgegengesetzten Qualitäten in Nahrung und Aktivitäten (z.B. Kälte und Milde) gearbeitet werden. Ist das Pitta stark, so lieben Menschen Leistungssport und körperliche Anstrengungen.
Außerdem wirken süße, bittere und zusammenziehende Nahrungsmittel Pitta-reduzierend. Scharfe Gewürze, Alkohol und anregende Getränke sollten vermieden werden. Zum Ausgleich eignen sich alle kühlenden Speisen und Gewürze wie Melone, Kartoffeln, Fenchel, Kardamom, Minze und Koriander. Moderate Ruhe und Entspannung Maßnahmen in kühler Umgebung sind empfehlenswert. Hitze und direkte Sonne sollten vermieden werden.